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Rameaus Neffe

von Diderot, in der Übersetzung von Goethe

Ohne Goethe wäre dieses Kabinettstück so ausgelassener wie scharfsinniger philosophisch-satirischer Prosa vielleicht für immer verschollen geblieben. Diderot hatte den Dialog in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts geschrieben, aber nicht zu veröffentlichen gewagt. Das Gespräch zwischen einem widerlichen, doch illusionslosen und auf seine Weise lebensklugen Sozialschmarotzer und dem aufgeklärten, optimistischen, feinsinnigen Ich-Erzähler, einem Philosophen, in dem sich der Autor ironisch widerspiegelte, liefert ein närrisches, zugleich aber erbarmungsloses Porträt der vorrevolutionären Pariser Gesellschaft. Das hätte den Autor in größte Schwierigkeiten bringen können, also behielt er das Manuskript in der Schublade. Schiller erfuhr nach Diderots Tod von einer Abschrift des Manuskripts, animierte Goethe zur Übersetzung, und der war entzückt über das Meisterwerk: ein Dialog wie "eine Bombe", urteilte er und hat recht damit. In einem Zeitalter, in dem die Schmarotzer nicht geringer, sondern nur dreister und dümmer geworden sind, dazu in Legionen auftreten, hat der zynische Kommentar seine Aktualität behalten. 

Daniel Minetti spricht Goethes Sprache, als säßen wir mit ihm am Weimarer Café-Tisch, so lebendig, so geschmeidig wirkt sie. Der Regisseur Helfried Schöbel bringt das Kunststück fertig, die Eleganz der Wechselrede, die stilistische Artistik der Vorlage mit dem Ton der Alltagsrede zu einer brillanten Einheit zu bringen. Nichts davon wirkt veraltet, nichts gezwungen. Das ist auch höchste Schauspiel-Kunst, die Kunst zu verbergen und uns zuhören zu lassen, als könnten wir uns jeden Augenblick ins Gespräch mischen

Rameaus Neffe Rameaus Neffe Rameaus Neffe

Mitwirkende:

Auf der Bühne

Daniel Minetti, Schauspieler
Mathias Mertens, Schauspieler

Hinter den Kulissen

Helfried Schöbel, Regisseur

Termine

derzeit keine